Über das Symposium

Bekanntlich ist der 30. Oktober 1961 sowohl für die Türkei als auch für Deutschland von großer Bedeutung. Das Jahr 2021 markiert den 60. Jahrestag der türkischen Präsenz in Deutschland, die durch die Unterzeichnung des Anwerbeabkommens zwischen der Türkei und Deutschland gesichert wurde.

Das internationale Symposium wird die türkische Präsenz in Deutschland aus einer breiten Perspektive betrachten, die u. a. die Bereiche Bildung, Kultur, Wissenschaft, Kunst, Handel, Wirtschaft, Technik, Sport, Politik und Recht einschließt. In diesem Zusammenhang sind Wissenschaftler*innen und Forscher*innen aus aller Welt und verschiedenen Disziplinen eingeladen, um zusammenzukommen, gemeinsam zu diskutieren und Ideen auszutauschen.

 

 

Eine Geschichte von Flops und eine neue Wendung: Das tuerkisch-deutsche Musikzusammenspiel

Um ein Verständnis des türkisch-deutschen Popmusikgeschichte zu erlangen, skizziert der Beitrag eine Rezeptionsgeschichte türkischer Musik in Deutschland. Was in den 1960er bis 1980er Jahren noch die Geschichte eines ziemlich erfolglosen Versuches blieb, nämlich türkisch- und deutschsprachige Menschen musikalisch zu verbinden, hat sich seit den 1990er Jahren mit deutsch-türkischem Hip-Hop und in den letzten Jahren vor allem mit (neo-)anatolischem Pop geändert. Denn diese Stile werden mittlerweile in Deutschland bzw. international sehr gut angenommen.

In einem ersten Schritt untersucht der Artikel, warum die früheren Versuche, ein türkisch-deutsches Musikzusammenspiel zu etablieren, gescheitert sind, wie der kulturell-mediale Rahmen der Musikrezeption und -verbreitung in Deutschland für beide Zuhörer*innenschaften aufgebaut gewesen ist und welche sozialen, kulturellen und musikalischen Konflikte dabei vorhanden gewesen sind. Dabei wird das Hauptaugenmerk auf einen beispielhaften Sonderfall des Zusammenspiels gelegt: genuin türkisch-sprachige Musiker*innen, die türkische Popmusik auf Deutsch singen und genuin deutschsprachige Musiker*innen, die deutsche Popmusik auf Türkisch singen.

Nach jahrzehntelangen Flops im türkisch-deutschen Musikzusammenspiel und nach Jahrzehnten deutsch-türkischen Hip-Hops geht es nun bei der Beliebtheit von (neo-)anatolischem Pop sogar noch komplizierter zu. Denn der Gesang erfolgt hierbei in türkischer Sprache und zahlreiche türkische Elemente sind in der musikalischen Struktur und Instrumentierung vorhanden. Genau dies war lange Zeit ein Hindernis für die musikalische Wertschätzung türkischer Musik seitens nicht-türkischer Menschen in Deutschland. Doch was bisher ein Hindernis war, entpuppt sich nun als Vorteil, denn erstmals begeistert sich in Deutschland ein beachtliches nicht-türkischsprachiges Publikum für (neo-)anatolischen Pop. Dies führt zum zweiten Schritt der Analyse, der der Frage nachgeht, wie dies geschehen konnte, wodurch diese Veränderung verursacht worden ist.

Die Analyse des beschriebenen Themas greift auf Popular Music Studies, dekoloniale Diskussionen sowie eine vergleichende Perspektive zurück. Letztere konzentriert sich auf (Nicht-)Transfer, (Nicht-)Austausch und (Nicht-)Wechselwirkung, um interethnische und interkulturelle Fragen der Verbindung oder Trennung nachzugehen.