Deutsch-türkische Musikverhältnisse

Listening Session im Rahmen von ‚Decoloniality and Pop‘ mit Tuncay Acar (Glockenbachwerkstatt e.V., München), Dr. Cornelia Lund (fluctuating images, Berlin), Prof. Dr. Holger Lund (DHBW Ravensburg)
Donnerstag, 24. Juni, 2021, 18.00 Uhr, live vor Ort bei Import-Export Kreativquartier München ( alternativ: Stream: https://www.youtube.com/watch?v=cBNuUD9mBic ). Im Anschluss: DJ-Set von Tuncay Acar und Holger Lund
Die Veranstaltung wurde initiiert von Johannes Kuhn (Alumnus Studiengang Mediendesign)

Wie bitte? Freddy Quinn, Peter Maffay und Udo Lindenberg sangen auf Türkisch? Und Ajda Pekkan, Nilüfer und Neşe Karaböcek sangen auf Deutsch? Wo geschah das? Hier, in einer Welt der Flops, wenn es um türkisch-deutschen Musikaustausch ging.

Freddy Quinn schwor dem Türkischen rasch ab, Peter Maffay flüchtete aus der Arbeit mit der Hip-Hop-Formation Cartel nach Tabaluga und Udo Lindenbergs Management sagte die mit seiner Duett-Partnerin Sezen Aksu geplante Tour ab. Schaut man sich die Diskografien von türkischen Sänger*innen an, so kommt es nur sehr sporadisch zu deutschem Gesang.

Es bleibt die Geschichte einer sprachlich-musikalischen Annäherung, die stets scheiterte, bis sich eine neue Generation von Menschen türkischer Herkunft des Deutschen im Hip-Hop bemächtigte und diesen in Deutschland initiierte. Und zwar – auch wenn die deutsche Hip-Hop-Geschichtsschreibung das meist ausblendet – zwei Jahre vor den Fantastischen Vier mit Yarınistans „Ali Rap“ (1990), das auf einem Nilüfer-Sample basiert. Was uns erneut zum Deutschen führt: denn „Ali“ war einer der wenigen deutschen Titel von Nilüfer.

Hier ist eine Verwobenheit der Dinge zu erkennen, die zu besonderen musikalischen Kombinationen geführt hat. In diese möchten wir eintauchen, denn die Geschichte türkischer Musik in und aus Deutschland muss nicht nur neu geschrieben werden – sie muss erst einmal überhaupt geschrieben werden. Einen Impuls dafür möchten wir am 24. Juni mit der Listening Session „Eine Geschichte der Flops“ zusammen mit Tuncay Acar setzen.

Wir erörtern, wie der kulturelle Rahmen der Rezeption und Verbreitung von Musik in Deutschland aufgebaut wurde und welche sozialen und musikalischen Konflikte berührt wurden.

In jüngster Zeit hat sich dabei das Blatt gewendet: Seit kurzem findet nicht nur in Deutschland eine sehr erfolgreiche Rezeption des (neo-)anatolischen Pop statt, etwa von Altın Gün, Baba Zula und Derya Yildirim. Zum ersten Mal schätzt ein nicht-türkischsprachiges Publikum in Deutschland Anadolu Pop. Wir schauen, wie es dazu kommen konnte. Was sind die Elemente des Wandels?

https://import-export.cc/event/listening-session-deutsch-tuerkische-musikverhaeltnisse/

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Vorab-Radiogespräch in der Sendung Kanalratten über türkische Musik in Deutschland mit Tuncay Acar, Dirk Wagner und Holger Lund, 12.06.2021, 19:00-20:00, auf M94,5 Mediaschool Bayern: hier.

Grafikdesign: Nicolas Bernklau, Johannes Kuhn (Alumni des Studienganges Mediendesign)